Buchrezensionen

 

Culadasa John Yates (Autor), Susann Kahn-Ackermann (Übersetzerin). Handbuch Meditation. Arkana. München. 2017. 560 S. EUR 30,00

 

Meditieren lernen – auf zu den glückseligen Inseln.

 

Culadasa John Yates, Ph.D. hat hier ein Buch vorgelegt welches durch seine Erfahrungen sowohl als tibetischer wie auch im Theravada-Buddhismus ausgebildeter Meditationsmeister mit über 40-jähriger Übung entstanden ist. Er war viele Jahre Professor für Neurowissenschaft und von diesen beiden Sichtweisen profitiert dieses tiefgründige und ausführliche Buch mit über 560 Seiten.

 

Selbst beschreibt er das Ziel „eines detaillierten, umfassenden und leicht anwendbaren Meditationsleitfadens“, welches ihm ausdrücklich und sehr überzeugend gelingt. Culadasa entschlüsselt in seinem Buch komplexeste Beschreibungen von Meditationszuständen in einer nachvollziehbaren Sprache mit einer sehr genauen Gründlichkeit. Dabei benutzt er keine hochwissenschaftliche Sprache und beschreibt kunstvoll mit Übersetzungen aus der Schriftsprache alltagstaugliche Meditation. Dieses ist auf der einen Seite sehr angenehm und fordert andererseits den Leser beim Durchdringen von Theorie und Praxis. Es ist fast unmöglich das Buch zu lesen ohne parallel Meditation zu praktizieren. Es liegt im Sinn der Sache, dass die leichte Anwendbarkeit von Stufe zu Stufe herausfordernder wird – bzw. liegt die steigende Herausforderung auch am Leser das Buch zu Ende gelesen zu haben bevor die Stufen vollständig durchschritten wurden.

 

Das Buch ist inhaltlich unterteilt in einen riesigen Hauptteil, der sich mit den zehn Stufen der Meditation – hauptsächlich mit Hilfe der Sitzmeditation gekoppelt mit dem bewussten Atmen – beschäftigt, kurzen weiteren Anhängen zu Varianten sowie einem ausführlichen Glossar und fast 40 Seiten Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln.

 

Das Buch zu lesen ist pure Meditation und je länger man dieses tut auch Vergnügen und Glückseligkeit vom Anfänger bis hin zum Profi. Möge die Übung zwischen lesen, meditieren und träumen gelingen!

 

Rezension Francesc Miralles, Héctor García (Kirai). Ikigai. Gesund und glücklich hundert werden. Ullstein Buchverlage GmbH. Berlin. 2016. 221. S. EUR 17,00

Francesc Miralles, Musiker und Bestseller-Autor aus Barcelona und Héctor García (Kirai) Softwareentwickler und Buchautor aus Tokio haben sich hier zu einem Projekt zu dem mysterischen Titel IKIGAI zusammengefunden. IKIGAI – die Kunst gesund und glücklich hundert zu werden. Im Umschlag wird vom Sinn des Lebens gesprochen, der in uns verborgen ist und gleichzeitig die Anleitung dazu angekündigt. Als Orientierung hierzu sollen Bewohner der japanischen Insel Okinawa – die Insel der Hundertjährigen – und hier besonders dem 3.000 Einwohner Dorf Ogimi – befragt werden und ihr Geheimnis verraten.

Über ein Jahr Vorbereitungen und ein einwöchiger Aufenthalt in Ogimi sollen die Grundlage für eine Filmdokumentation und das Buch geben.

Durch die Kapitelstruktur und innerhalb dieser vieler Überschriften - auf in der Regel zwei Seiten - lässt sich das Buch sehr gut lesen und ist sehr kurzweilig.

Beim Durchlesen des Buches ernüchternd ist, das den Einwohnern von Ogimi – trotz mehrmaliger Verweise im Buch selbst – selbst erst ab Seite 129 – Seite 148 ein Kapitel gewidmet ist, in welchem Sie hauptsächlich durch eine Aneinanderreihung von Zitaten zu Wort kommen. Dieses Kapitel ist für diejenigen, welche das Buch wegen des Umschlags gekauft haben, das was hält was dieser verspricht. Schade, dass über die Biographien, Lebensgeschichten und Berufe der Einwohner kein Wort verloren wird, sondern nur über das gegenwärtige Leben, welches sehr eindrucksvoll aktiv und sozial verbunden dargestellt wird.

In den vorherigen und folgenden Kapiteln geht es um die Philosophie des Ikigai und eine kurze und Lust machende Einführung des Phänomens. Es folgt ein Kapitel zu Anti-Aging-Gesetzen, welches analog eines Ratgebers Zukunftsforscher zitiert und Stress mit der Hautalterung in Verbindung bringt. Es Berichte über die ältesten Menschen der Welt – der Supercentenarians, der über 110-jährigen – von Osaka über Ecuador nach Frankreich bis nach Minnesota in die USA nach Polen. Weiter mit der Logotherapie von Viktor Frankl in Abgrenzung zur Psychotherapie. Dann schreiben die Autoren im Kapitel zum Flow bei Tätigkeiten, welches inhaltlich wieder nah am Phänomen des Ikigai ist. Dann kommen die Essgewohnheiten mit den 15 natürlichen Antioxidantien der Okinawa-Diät und dem 80% Gesetz beim Essen, Bewegungsübungen mit einer Aneinanderreihung von Radio-Taiso-Übungen, Yoga, Tai-Chi, Qigong und Shiatsu und schließlich der Auseinandersetzung mit Resilienz hin zu Antifragilität und Wabi-Sabi, einem japanischen Konzept der Schönheit unvollkommener Dinge.

Das Buch ist ein buntes – gefühlt wahlloses spontanes – Potpourri an Ratgebern, wissenschaftlichen Beschreibungen ohne gute Quellenangaben und der Auseinandersetzung mit bereits bekannten Ideen zum Thema gesunde Ernährung und gesundes Leben. Das beschreibt auch die Inhalte innerhalb der Kapitel. Es ist nicht ersichtlich wie es zu eben dieser Struktur kam und man könnte wohl auch die Kapitel in einer anderen Reihenfolge lesen.

Für bewusst lebende Menschen nichts neues bzw. eine Auffrischung. Für noch nach Gesundem Leben Suchende enthält das Buch sicherlich ein paar gute Tipps. Für Menschen die mehr erfahren wollten über die 100-jährigen auf Okinawa eine Enttäuschung.

Die Quintessenz für mich ist im ersten Zitat im Buch gegeben: Immer Aktiv und im sozialen Austausch zu bleiben ist eine gute Grundlage um Alt zu werden.